[BK] ConnAct Kneipe November

Am 11. November veranstalteten wir im selbstverwalteten Jugendzentrum Backnang unsere monatliche ConnAct-Kneipe. Dieses Mal stand diese im Zeichen des Jahrestages des historischen 9. Novembers.

Am 9. November jährte sich abermals die „Reichsprogromnacht“. In dieser Nacht plünderten und zerstörten faschistische Mobs tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe in Deutschland. Über 1 400 Synagogen, Betstuben und weiteren jüdischen Einrichtungen wurden in Brand gesteckt. Ab dem 10. November begann auch die Verschleppung jüdischer BürgerInnen in KZs, was den Beginn des industrialisierten Massenmordes an den europäischen Juden darstellte. Die Pogromnacht stellt den Übergang zur offen terroristischen Herrschaft der Nazis dar.

Wir zeigten bei dieser ConnAct-Kneipe den Film „Nacht über Deutschland – Novemberpogrom“, und luden im Anschluss dazu ein, den Backnanger Opfern der faschistischen Gewalt im Rahmen der industrialisierten Menschenermordung zu gedenken. Im Anschluss ließen die Anwesenden den Abend beim Thekenbetrieb ausklingen.

Weiterhin erwähnenswert ist, das AktivistInnen die Abendstunden nutzten, um öffentlich an Emanuel Feigenheimer, ein jüdischer Mitbürger Backnangs, zu erinnern. Diese Aktion wird hier dokumentiert, einschließlich mit ein paar Hintergrundinfos zum Leben Feigenheimers:

„Tot ist nur, wer vergessen wird. Diese Auffassung hat der Aufklärer Immanuel Kant vor über 200 Jahren vertreten. Eben deshalb soll an dieser Stelle aufgeklärt werden, was mit Emanuel Feigenheimers Grab passiert ist. Er war während der NS-Ära der einzige Jude Backnangs und starb 1969 in Backnang. Sein Grab wurde still und heimlich aufgelöst.

Der 1901 in Backnang geborene Feigenheimer wohnte allen Schikanen zum Trotz während des Dritten Reichs in seiner Heimatstadt. Erst im Februar 1945 musste sich der im faschistischen Sprech „Volljude“ zum Arbeitseinsatz nach Bietigheim begeben, von wo aus er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Nach dem Krieg kehrte er nach Backnang zurück. Hier ist er 1969 gestorben. Seine Frau starb Anfang der 90er-Jahre.

 Als nichtarischer Arbeiter wurde Feigenheimer gemeldet. Er war am 23. Mai 1901 in Backnang geboren und war aufgrund der nationalsozialistischen Sprachregelung ein sog. „Volljude“. Von 1933 bis 1937 hielt er sich mit seiner Frau in Trier auf, da er dort Arbeit fand. 1937 kehrte er nach Backnang zurück. Von 1937 bis 1939 fand er in der Lederfabrik von Karl Robitschek Arbeit, dann wurde er entlassen. Von den örtlichen Parteistellen erfuhr er anscheinend keine Diskriminierung. Der Nazi-Kreisleiter Alfred Dirr, der gleichaltrig und ein Klassenkamerad von Feigenheimer war (mit dem er sich sogar duzte), behandelte ihn nach Meinung seiner Ehefrau mit Respekt. Jedoch bat Alfred Dirr, Feigenheimer zu einer Unterredung bei der Kreisleitung. Sichtlich unbehagt teilte er ihm mit: „Emanuel, ich kann nichts mehr machen, Wandere doch um Himmels willen aus!“

Als im Oktober 1941 für Juden im Reich Arbeitspflicht angeordnet wurde, bekam Feigenheimer von der Stadtverwaltung eine Stelle als Straßenkehrer zugewiesen. Lebensmittelkarten standen ihm nicht zu. Allerdings sahen das die Bürger anders, so schob man laut Aussage von Frau Feigenheimer, ihm immer mal wieder Lebensmittelkarten aus Kreisen der Bevölkerung zu und sie konnte auch in der Metzgerei illegal Essen beschaffen.

Am 11. Februar 1945 erhielt Feigenheimer einen Bescheid, sich nach Bietigheim zum geschlossenen Arbeitseinsatz zu begeben, denn nun sollten auch Juden aus Mischehen in ein Konzentrationslager gebracht werden. Von Bietigheim aus wurde er nach Theresienstadt deportiert, überlebte aber glücklicherweise, wenn auch stark entkräftet. Ende Mai 1945 kam er wieder nach Backnang zurück und starb 1969.“

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